Aminosäuren - Bausteine des Lebens

Definition und Eigenschaften von Aminosäuren

Unter dem Begriff Aminosäure versteht man meist die 22 proteinogenen Aminosäuren, da diese für den menschlichen Stoffwechsel besonders wichtig sind. Es gibt darüber hinaus rund 250 nicht proteinogene Aminosäuren, die ebenfalls biologische Funktionen im Körper haben.

Aminosäuren bezeichnet man als "Bausteine des Lebens", da sie Protein bilden (proteinogen sind). Man unterscheidet zwischen Strukturproteinen (Kollagen, Elastin) und Transportproteinen (Hämoglobin, Myoglobin).

L-Aminosäure oder D-Aminosäure?

Bis auf die Aminosäure Glycin sind alle proteinogenen Aminosäuren asymetrisch. Damit gibt es zwei Varianten der einen chemischen Zusammensetzung, die rechtsdrehende D-Aminosäure und die linksdrehende L-Aminosäure. Nur die linksdrehende L-Aminosäure kann zur Bildung der Proteine genutzt werden. Aminosäuren, die der Körper benötigt, aber nicht  selbst herstellen kann, werden als essentiell (unentbehrlich) bezeichnet. Essentielle Aminosäuren werden vom Körper benötigt und müssen über die Nahrung aufgenommen werden.

Aminosäuren und Stoffwechselvorgänge

Neben der Bildung von Proteinen kommt Aminosäuren eine große Bedeutung in vielen Stoffwechselvorgängen des menschlichen Körpers zu. So werden aus Aminosäuren neben Proteinen auch Immunglobuline, Enzyme, Bausteine der DNA, Hormone und Neurotransmitter (Botenstoffe der Nervenzellen) gebildet.

Besonders interessant für die orthomolekulare Medizin sind hierbei die Aminosäuren L-Arginin und L-Carnitin.

L-Arginin, NO und erektile Dysfunktion (Erektionsprobleme)

L-Arginin ist deshalb eine besonders wertvolle Aminosäure, weil L-Arginin den höchsten Stickstoffgehalt aller Aminosäuren aufweist. Aus L-Arginin werden energiereiche Stickstoff-Phosphat-Verbindungen in Organismen hergestellt und es ist an zahlreichen biologischen Funktionen beteiligt.

Insbesondere ist L-Arginin die alleinige Vorstufe von NO (Stickstoffmonoxid). NO ist ein sehr kleiner gasförmiger Botenstoff im Körper (Neurotransmitter). Durch die Stickstoffmonoxid-Synthase entsteht aus L-Arginin der EDRF (Endothelium-derived relaxing factor), das Stickstoffmonoxid (NO). Der EDRF-Faktor führt physiologisch zu einer Gefäßerweiterung. Dazu diffundiert das NO in die Muskelschicht der Gefäße und aktiviert dort die lösliche Guanylatycyclase. Dies führt zur Erschlaffung der glatten Muskulatur und zum Nachlassen des Gefäßtonus. Eine Erschlaffung der Gefäßmuskulatur wird benötigt für die Erektion des Mannes. Verkürzt gesagt: Aus L-Arginin wird im Körper bei Bedarf Stickstoffmonoxid (NO) produziert, und NO führt zur Gefäß- und Muskelentspannung. Eine Erektion wird hervorgerufen durch die Entspannung bestimmter Muskeln, die dadurch das Blut im männlichen Glied aufstauen.

Diverse wissenschaftliche Studien haben auch in der Praxis den Zusammenhang zwischen L-Arginin und der mänllichen Erektion bei der Behandlung von Patienten mit erektiler Dysfunktion (Erektionsproblemen) aufgrund von Gefäßstörungen nachgewiesen. Dieser Nachweis ist auch nach dem höchsten wissenschaftlichen Ansprüchen für medizinische Untersuchungen, dem sogenannten Gold-Standard (placebokontrolliert, randomisiert, doppelblind) sehr eindrucksvoll geführt worden. Wichtig ist auch: Bei den Studien wurde über keinerlei Nebenwirkungen berichtet.

Die Wissenschaftler Robert F. Furchgott, Louis J. Ignarro und Ferid Murad erhielten 1998 den Nobelpreis für Medizin für Ihre Erfoschrung des Zusammenhanges zwischen Arginin und NO und deren Wirkungen auf Gefäße und den Körper.

L-Arginin ist besonders viel in männlichem Sperma enthalten.

Der Körper wandelt zunächst L-Arginin in L-Ornithin um und synthetisiert (stellt her) daraus die beiden Polyamine Spermin und Spermidin. Spermin und Spermidin kommen in hoher Konzentration in der Spermienflüssigkeit vor. Darüber hinaus sind diese beiden Polyamine für die Zellteilung und die Stabilisierung der DNA von großer Bedeutung.

Der Neurotransmitter NO ist darüber hinaus an der Immunabwehr und zahlreichen neuronalen Funktionen im zentralen und peripheren Nervensystem beteiligt.

 

L-Carnitin - transportiert Fettsäuren in die Zellen zur Verbrennung

L-Carnitin wird teils als Aminosäure eingeteilt, teils als Vitaminoid bezeichnet. Unabhängig von der Einteilung: L-Carnitin spielt eine essentielle Rolle im Energiestoffwechsel des Menschen. Es wirkt als Rezeptormolekül für aktivierte Fettsäuren. Nur wenn langkettige Fettsäuren an L-Carnitin gebunden sind, können sie durch die Membrane der Mitochondrien (quasi die Kraftwerke jeder einzelnen Körperzelle) in die Mitochondrien transportiert werden. Oder kurz:

Ohne L-Carnitin funktioniert die Fettverbrennung im Körper nicht.

Der Mensch nimmt L-Carnitin hauptsächlich durch Fleisch auf, insbesondere rotes Fleisch, Lamm- und Schaffleisch. Bei gemischter Kost werden zwischen 100 mg und 300 mg L-Carnitin täglich aufgenommen, bei vegetarischer Kost nur 2 - 10 mg je Tag.

 

 

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